Traktandum 1

Eröffnung der Landsgemeinde

Andrea Bettiga Eröffnungsrede von
Landammann Andrea Bettiga

Hochgeachtete Frau Landesstatthalter
Hochgeachtete Damen und Herren der administrativen und richterlichen Behörden
Hochvertraute, liebe Mitlandleute

Auch heute hat sich das Glarner Volk wieder versammelt, um unter freiem Himmel zu raten, zu mindern und zu mehren.

Im Jahre 1387 wurde unsere Landsgemeinde erstmals urkundlich erwähnt. Seit diesem Zeitpunkt versammelt sich das Glarner Stimmvolk alljährlich, um diese direkteste Form der Demokratie auszuüben.

Es ist mir eine grosse Ehre, hier vor Ihnen zu stehen und Sie zur 626. Landsgemeinde begrüssen zu dürfen.

Dabei bin ich beeindruckt vom grossen Aufmarsch und von Ihrem Interesse am politischen Geschehen in unserem Kanton.

So freut es mich, Sie als Glarner Landammann begrüssen zu dürfen: «Hochvetruuti liebe Mitlandlüüt – ganz herzlich willkommen zur hürnigä Landsgemeinde!»

Möge die Landsgemeinde 2013 unter einem besonders guten Stern stehen!

Seien wir uns bewusst, wie privilegiert wir sind!
Wir, die wir heute hier sind, können aktiv und ganz direkt das gesellschaftliche und politische Leben in unserem Kanton mitgestalten.

Können mitbestimmen bei unseren Gesetzen und den Steuern, die wir bezahlen, haben die Möglichkeit, unsere Richter zu wählen.

Was für ein Kontrast zu anderen Systemen – im Besonderen wenn wir über unsere Landesgrenze schauen –  wo sich die politische Entscheidungsgewalt immer mehr von den Bürgerinnen und Bürgern entfernt und so eine spürbare polit. Verdrossenheit breit macht.

Unsere Landsgemeinde ist eine wertvolle Tradition – ja sogar eine einzigartige Institution, die wir hier und heute stolz und mit Begeisterung leben.

Die Landsgemeinde ist dabei nicht etwa mit Nostalgie gleichzusetzen – nein, sie ist moderne Tradition!

Das Glarnerland – und mit ihm die Landsgemeinde – geht vorwärts, bleibt nicht stehen!

Und schauen wir einmal zurück – so stellen wir fest, dass wir Glarner schon so manche Schritte getan haben: Folgerichtige, aber auch heftig umstrittene, mutige, Aufsehen erregende.

So vieles nahm seinen Anfang mit einem Entscheid an der Landsgemeinde und bei gar manchem spielten wir die Vorreiterrolle für die ganze Schweiz.

«Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert». Dies sind die Worte von Hermann Hesse.

Erst wenn Gedanken und Handeln übereinstimmen, dann ergibt sich etwas Wert – volles.
Oder ganz prägnant: Nicht die Faust im Sack ballen, sondern seine Wertvorstellungen und Ideale leben!

Und was könnte vorbildlicher sein oder sich besser eignen – für gelebte Demokratie und das Einstehen politischer Werte – als unsere Glarner Landsgemeinde?

Hier spielt es keine Rolle, welche politische Gesinnung Sie haben, welchen Beruf Sie ausüben, in welcher Gemeinde Sie leben:

Heute beweisen wir an unserer Landsgemeinde wieder, wie wertvoll Gemeinschaften sein können, wie bereichernd das gemeinsame Politisieren sein kann.

Ein Blick auf das Weltgeschehen zeigt, dass das alles andere als selbstverständlich ist.

Mit bewegenden Bildern erfahren wir auch täglich in den Medien, wie anderenorts für Meinungsfreiheit gekämpft und mit grossen Opfern bezahlt werden muss.

Halten wir uns also den Wert des konstruktiven, demokratischen Politisierens heute besonders vor Augen. Das sind Werte, die gelebt, gepflegt und bewahrt werden sollen.

Wählen und mitbestimmen, sich informieren, mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen, sich eine Meinung bilden und diese auch kundtun, das sind Attribute unserer direkten Demokratie.

Der Landsgemeindering bietet (als besonderes Charakteristikum) dazu auch räumlich ein Forum: Um sehen und gesehen zu werden, zu hören und gehört zu werden.

Die Landsgemeinde steht also nicht nur stellvertretend für Tradition, Toleranz, Meinungsfreiheit und Fairness, sondern ermöglicht es auch, unsere Wertevorstellungen einzubringen.

Auch als Kanton haben wir unsere Werte und haben diese in den entwicklungspolitischen Plänen 2020 festgelegt:

Wir setzen auf Werte wie Standortqualität für attraktives Wohnen und für eine prosperierende Wirtschaft, auf attraktiven Freizeit- und Erholungsraum für uns und unsere Gäste.

Wir investieren in unsere Infrastruktur und verbessern die Erschliessung mit Strassen und Bahnen.

Wir sorgen für eine effiziente Verwaltung mit autonomen, modernen Gemeinden und sorgen damit für eine Aufwertung der gesamten Region.
Wir bauen auf ein effizientes, qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen und investieren in Bildung auf verschiedenen Stufen.

Seien wir uns aber bewusst:
Letztlich sind es immer wir Menschen, die Werte bestimmen, prägen, leben und ausgestalten. Im Positiven, wie im Negativen.

Genauso wie Menschen die Werte positiv prägen, so sind Menschen auch für den Wertezerfall verantwortlich. Nämlich dann, wenn das Gespür für Grundwerte wie Anstand, Genügsamkeit oder Demut ignoriert und verdrängt oder sogar mit Füssen getreten werden.
Ich denke da an die Gier von einzelnen Bankern oder Medien, die  mehr Interesse an der Auflagenstärke als an Verantwortung haben?

Vergessen wir deshalb nie, dass wir als Menschen mit unseren Wertvorstellungen auch in einer Gemeinschaft leben, in der wir nur durch solidarisches Handeln die Basis für Entwicklung und Prosperität unseres Kantons legen können!

Dies bedingt auch Akzeptanz von Entscheiden der Mehrheit und Vertrauen in die von uns gewählten Behörden.

Wir müssen daher stets in der Lage bleiben, unsere ideologischen, aber auch politischen Grundsätze zu überdenken, falls es unserer Gemeinschaft, unserem Glarnerland dient!

Hochvertraute, liebe Mitlandleute!

An der heutigen Landsgemeinde haben wir auch eine wichtige Ersatz-Wahl für unsere Kantonale Justiz vorzunehmen.

Auf Ende Juni 2013 erreicht Frau Sabina Bäbler, 1. Mitglied der Zivilabteilung des Kantonsgerichts, die gesetzliche Altersgrenze. Sie tritt auf diesen Zeitpunkt zurück.

Frau Sabina Bäbler wurde an der Landsgemeinde 1985 in das damalige Zivilgericht gewählt. Seit dem 10. Mai 1990 stellt sie das Vizepräsidium in der I. Zivilkammer des neu geschaffenen Kantonsgerichts.

Frau Bäbler blickt auf mehr als 2 Jahrzehnte Justizerfahrung zurück. Als Vizepräsidentin hat sie am Kantonsgericht und als Einzelrichterin zahlreiche Verfahren geführt – gewissenhaft, gründlich und mit Weitblick zugleich.
Ihr gilt heute der verdiente Dank für ihr langjähriges engagiertes Wirken im Dienste der Rechtspflege.

Bevor wir uns der Behandlung der diesjährigen Landsgemeinde-Geschäfte zuwenden, wollen wir noch in Dankbarkeit zweier verstorbener Persönlichkeiten gedenken.

Am 17. September 2012 verstarb Dr. Peter Hefti. In Dankbarkeit erinnern wir uns an ihn und seine engagierte Arbeit zu Gunsten unseres Kantons als Landrat und Obergerichtspräsident. Insbesondere in letzterer Funktion prägte er Rechtsprechung und Gerichtswesen des Kantons Glarus.

Er vertrat zudem während 22 Jahren das Glarnerland im Ständerat. Aus dieser Zeit wird sein Präsidialjahr unvergesslich bleiben, war ihm doch damit eine Aufgabe zugesprochen worden, welche auch den Kanton Glarus ehrte.

Darüber hinaus setzte er sich 27 Jahre lang für seine Heimatgemeinde tatkräftig als Gemeinderat und Gemeindepräsident ein. Er widmete einen grossen Teil seiner Schaffenskraft Land und Volk unseres Kantons.

Sein Wirken, seine Haltung und sein Engagement – sie werden uns Vorbild bleiben!

Am 29. November 2012 ist Franz Schiesser nach längerer Krankheit verschieden. Als Regierungsrat führte er von 2002 bis 2006 die Polizei- und die Militärdirektion, in der er mit seiner ruhigen und ehrlichen Art vieles zum Guten bewirkte.

In Erinnerung bleibt auch seine Arbeit im Landrat, dem er während zwölf Jahren bis zur Wahl in die Regierung als Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion angehört hatte.
Franz Schiesser widmete somit einen grossen Teil seines Wirkens Land und Volk unseres Kantons und seiner Gemeinde. Er wird uns unvergessen bleiben.

Beiden, Dr. Peter Hefti und Franz Schiesser, wollen wir ein ehrendes Andenken bewahren!

Hochvertraute, liebe Mitlandleute!

Heute werden die Bilder unserer Landsgemeinde (dank dem Schweizer Fernsehen) in die Welt hinaus getragen. Ich wünsche mir, dass diese Bilder anderen Menschen Mut machen, an das Gemeinsame, Konstruktive und Wachsende zu glauben.

Lassen Sie uns jetzt raten, mindern und mehren in Freiheit und Verantwortung. Und so hoffen wir, dass es uns auch heute gelingt, die traktandierten Wahl- und Sachgeschäfte zum Nutzen und Gedeihen unseres Kantons zu treffen.

In diesem Sinn bitte ich für Land und Volk von Glarus um den Machtschutz Gottes und erkläre die Landsgemeinde 2013 als eröffnet.

Die Vorlage im Überblick

Die Landsgemeinde wird durch den Landammann eröffnet. Die stimmberechtigten Männer und Frauen werden hierauf den Eid zum Vaterland schwören.

Auszug aus dem Memorial (PDF, 35 KB)
Vollständiges Memorial (PDF, 523 KB)